„Der Hund urteilt nicht“

Im Magazin „Syke Life“ der Mediengruppe Kreiszeitung erschien im Juni 2020 mein Interview zum Thema tiergestützte Pädagogik mit Diplom-Sozialpädagogin Martina Merx. Während unseres Gesprächs merkte ich schnell, dass der Beitrag hervorragend in den Kontext meines Kinderbuchblogs passt, da es um Leseförderung geht. Ich freue mich, dass ich das Interview über sie, „Vorlesehund“ Paul und ihre gemeinsame Arbeit hier ein weiteres Mal veröffentlichen darf:

Diplom-Sozialpädagogin
Martina Merx mit Paul.
Foto: Martina Merx

Ein Hund als Leseförderer? Ja, das funktioniert – sehr gut sogar. Vor drei Jahren startete die Erlenschule in Syke, eine staatlich anerkannte Tagesbildungsstätte mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, das zusätzliche Unterrichtsangebot „Vorlesehund“. Diplom-Sozialpädagogin und Initiatorin Martina Merx ermöglicht seitdem Schülern der Jahrgangsstufen eins bis zwölf zwei Vorlese-Stunden pro Woche – inklusive ausgiebiger Streicheleinheiten für ihren Golden Retriever Paul. Im Interview berichtet sie über den aktuellen Stand.

Frau Merx, wie ist es zum „Vorlesehund“ gekommen?

Ich hatte eine einjährige Weiterbildung in „Tiergestützter Therapie/Pädagogik“ an der Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer (wisoak) in Bremen absolviert. Ursprünglich war der Plan, dass Paul einfach nur mit in die Klasse kommt, um dort für ein positives Klima zu sorgen. Das wurde dann ausgebaut auf die Leseförderung – mit dem Hund als Brücke zwischen Lehrer und Schüler.

Was bewirkt Pauls Anwesenheit bei den Kindern und Jugendlichen?

Durch ihn ist die Situation viel entspannter. Die Kinder können Stress und Druck abbauen, der Blutdruck wird nachweislich gesenkt. Sie haben weniger Hemmungen, frei zu sprechen oder laut vorzulesen. Kinder, die noch nicht lesen können, erzählen ihm, was sie auf den Bildern sehen. Das Schöne ist ja, der Hund urteilt nicht. Ihm ist es wurscht, ob das Kind beim Vorlesen Fehler macht. Er ist einfach da und hört zu.

Welches Feedback bekommen Sie von den Eltern der Schüler?

Im Großen und Ganzen ein sehr positives. Wir müssen uns immer vorher abstimmen. Es gibt Kinder, die gegen Tierhaare allergisch sind oder große Angst vor Hunden haben. Die meisten Eltern freuen sich sehr darüber, dass Paul an der Schule ist. Auch zu Hause ist er ein großes Thema.

Was tun Sie denn, wenn ein Kind Angst vor Hunden hat?

Zum Glück weiß ich das im Vorfeld durch das Gespräch mit den Eltern. Wir versuchen dann, uns vorsichtig anzunähern. Das kann so aussehen, dass das Kind Paul ein Leckerli auf den Boden legt und ihn erst einmal nur beobachtet. Wir hatten eine Schülerin mit panischer Angst vor Hunden – am Ende hat sie beim Vorlesen mit ihm gekuschelt.

„Vorlesehund“ Paul in Aktion. Foto: Martina Merx.

Wie läuft so eine Vorlese-Stunde ab?

Drei bis vier Schüler sind mit Paul und mir im Raum, und jeder hat die Chance, zehn bis 15 Minuten vorzulesen. Zuerst gibt es ein kleines Begrüßungsritual mit Leckerli. Dann setzt sich das Kind mit Paul auf den Boden, liest ihm vor und streichelt ihn dabei, wenn es das möchte. Die anderen hören zu. Ich bin dann „eigentlich gar nicht da“, passe lediglich aus dem Hintergrund auf, dass es eine angenehme Situation für alle Beteiligten ist. So kann sich das Kind ganz auf das Vorlesen konzentrieren.

Wie würden Sie das Zusammenspiel zwischen Kind und Hund beschreiben?

Ruhig und entspannt. Man spürt die Zuneigung. Paul schmiegt sich oft ganz nah an den Schüler heran. Es ist eine schöne, gemütliche Atmosphäre, und man merkt gar nicht, dass es eigentlich Lese-Unterricht ist.

Gab es eine Begegnung, die Sie besonders berührt hat?

Wir hatten eine Schülerin mit starker Spastik. Als wir ihre Hand vorsichtig auf Pauls Fell gelegt haben, merkten wir, wie diese auf einmal locker und weich wurde. Das war ein so schöner Moment. Mir standen fast die Tränen in den Augen. Eine kleine Ursache, in diesem Fall die Nähe zum Tier, kann so eine große Wirkung haben. In den Anfängen wurde „Tiergestützte Therapie/Pädagogik“ gerne mal als „Kuscheltherapie“ belächelt. An solchen Beispielen sieht man, dass es wirklich funktioniert. Inzwischen gibt es in immer mehr Einrichtungen solche Angebote.

Was muss Paul als Vorlesehund können? Kann das jeder Hund?

Zunächst ist es wichtig, dass Frauchen oder Herrchen eine entsprechende Ausbildung mitbringt. Der Hund sollte ein ruhiges, geduldiges Wesen haben und für diese Arbeit geeignet sein.

Paul ist jetzt sechs Jahre alt. Welche Pläne haben Sie mit ihm?

Bei guter Gesundheit und Verfassung kann er das bestimmt noch bis zu seinem zehnten Lebensjahr weitermachen. Er ist nicht nur Vorlesehund, sondern auch Begleithund und unterstützt die Kinder in ihrer Bewegung und Motorik.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass unser Angebot weiterlaufen kann. Lesen ist gerade in der heutigen von Medien dominierten Zeit so wichtig. Deshalb liegt es mir sehr am Herzen, dass das zusätzliche Unterrichtsangebot „Vorlesehund“ eine Zukunft hat.

Ich bedanke mich herzlich für das Interview.

Daniela Krause, Mai 2020

Zur Person

Martina Merx ist an der Erlenschule als Diplom-Sozialpädagogin und -arbeiterin für die Leseförderung zuständig. An zwei Tagen die Woche ist sie mit ihrem Hund Paul an der Erlenschule im Einsatz. Die gebürtige Nienburgerin lebt in Stuhr und hat drei Kinder.

Die Erlenschule

Die Erlenschule, staatlich anerkannte Tagesbildungsstätte, besteht seit 1969 und ist eine Schulform mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Der Unterricht in der Erlenschule wird gemäß den Vorgaben des Kerncurriculums des niedersächsischen Kultusministeriums gestaltet. Träger ist die Lebenshilfe Syke.

Ein Schweinebär im Schlafanzug

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„Ein Schweinebär im Schlafanzug“, Andreas Langer und Katalin Eva Pop, Foto: Daniela Krause

Das Problem war Sascha selbst: Diesmal war er ein leibhaftiger Schweinebär! Mit rosa Rüssel, braunem Zottelfell, spitz zulaufenden Ohren, Tatzen und einem Buckel über den Schultern. An den alten Sascha erinnerte nur noch der blau-weiß gestreifte Schlafanzug, in dem er nach wie vor steckte.“

Lieblingszitat aus „Ein Schweinebär im Schlafanzug“ von Andreas Langer

„Du kleines Ferkel!“ – Ja, ich bekenne mich! Auch ich habe diese Worte schon zu meinen Kindern gesagt, wenn sie sich am Esstisch wie die kleinen Schweinchen am Trog verhalten haben. Und wie oft höre ich mich sagen: „Benutzt bitte die Gabel, nicht die Finger!“ Insofern war das Buch von Andreas Langer sowohl für mich als auch für meinen Großen (6) und die Lütte (fast 4) ein gefundenes Fressen. Denn das Buch „Ein Schweinebär im Schlafanzug“ dreht sich genau um dieses für Eltern und Kinder sehr leidige Thema.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Jule. Jule ist zehn Jahre alt und hat einen kleinen Bruder, Sascha. Obwohl dieser mit fast sieben Jahren schon zur Schule geht (und man von ihm in seinem Alter so etwas wie Disziplin am Esstisch erwarten dürfte), futtert er wie ein Schwein. Deshalb wird er von seinen Eltern – halb liebevoll, halb verzweifelt – „Schweinebär“ genannt. Denn egal, was es zu essen gibt, hinterher sieht es an und unter seinem Essplatz aus wie im Saustall. Seiner Schwester tut Sascha etwas leid. Auch wenn er sich beim Essen manchmal wirklich tollpatschig anstellt. Doch sicherlich haben weder sie noch ihre Eltern gewollt, dass sich Sascha eines Tages in einen echten „broinkenden“ Schweinebären (einen Mix aus Schwein und Bär) verwandelt (Kafka lässt grüßen).

Amüsantes Versteckspiel

Saschas Eltern schieben sich gegenseitig die Schuld an seiner Verwandlung in die Schuhe. Nur Jule bewahrt einen kühlen Kopf und schreitet zur Tat: So ein Schweinebär MUSS ja mal – zum einen etwas fressen, zum anderen ein Häufchen machen. Und dann sind da noch die neugierigen Nachbarn und der strenge Hausmeister, die bestimmt keinen Schweinebären im Haus dulden. Es beginnt ein amüsantes Versteckspiel. Jule hat alle Hände voll zu tun, um ihren Bruder vor Fallstricken zu bewahren und glaubhafte Ausreden für dessen Missgeschicke und Hinterlassenschaften zu finden. Geschickt werden die unangenehmen Gerüche in der Wohnung auf die „Verdauungsprobleme“ der Mutter geschoben, damit Herr Hartenstein, der Hausmeister, ja keinen Verdacht schöpft.

Für immer ein Schweinebär?

Trotz der turbulenten Ereignisse und dem riesen Tohuwabohu in der Wohnung gewöhnt sich die Familie an ihren tierischen Mitbewohner – bis die Polizei vor der Tür steht. Saschas Abstecher in die Schlammgrube auf der nahe gelegenen Baustelle ist natürlich nicht unbeobachtet geblieben. Als dann auch noch die zeternden Nachbarn in der Tür stehen, kapituliert die Familie. Die Eltern bekennen sich (endlich) zu ihrem Schweinebären – und wie durch Hexerei verwandelt sich dieser wieder in den „alten“ Sascha. Seine Eltern nennen ihn fortan nie wieder Schweinebär, obwohl er immer noch wie einer futtert.

Und die Moral?

Farbig an diesem Taschenbuch ist leider nur das Cover, welches die wichtigsten Protagonisten im Sessel sitzend vereint, uns allerdings nicht so vom Hocker gerissen hat. Hier hätten wir uns eine turbulentere Szene gewünscht. Das von Katalin Eva Pop mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen illustrierte Büchlein transportiert mit seinem Ende eine wichtige Botschaft: Die Eltern haben gelernt, Sascha so anzunehmen, wie er i(s)st. Auch wenn das bedeutet, dass die Wohnung wie ein Schweinestall aussieht. Man hätte vielleicht einen Kompromiss finden können: Sascha hätte lernen können, beim Essen weniger „herumzuferkeln“. Doch genau so ein Ende oder gar eine Moral hatte der Autor wohl nicht im Sinn. Das unterstreicht dieser O-Ton von Saschas Mutter: „So sind Kinder nun einmal. Sauber und ordentlich können sie als Erwachsene noch lange genug sein.“ Da ist was dran, finden wir.

Passend zur Geschichte gibt es am Ende des Taschenbuches noch einige Mitmachseiten mit Rätseln. Auf der Internetseite von Andreas Langer kann man sich die Seiten in groß ausdrucken, Ausmalbild inklusive.

Unser Fazit:

Die Lektüre vom „Schweinebären im Schlafanzug“ hat bei uns für vergnügte Vorlesestunden gesorgt. Es lädt dazu ein, die Dinge nicht ganz so ernst zu nehmen. Und vor allem, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind. Darauf ein dreifaches: Broink!“

Buch-Infos:

Ein Schweinebär im Schlafanzug
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Autor: Andreas Langer
Zeichnungen von: Katalin Eva Pop

Erschienen 2019 im Selbstverlag
Taschenbuch, 108 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 5 Jahren
Preis: 6,95 Euro
ISBN 978-3749485161

Lotte und die Oma-Tage

„Lotte und die Oma-Tage“, Miriam Zedelius, Hummelburg Verlag, Foto: Daniela Krause

Lotte denkt nach. „Oma“ sagt sie. „Wenn du mal tot bist, dann kann ich auch immer an dich denken. Aber ich muss dafür gar nicht auf den Friedhof gehen. Ich kann auch immer an dich denken, wenn ich Kakao mit Honig trinke.“

Lieblingszitat aus „Lotte und die Oma-Tage“ von Miriam Zedelius

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Großeltern – sie spielen im Leben unserer Kinder eine so wichtige Rolle. Es gibt andere Regeln als zu Hause, neue Impulse für die Entwicklung. Die Uhren ticken langsamer. Es ist wie eine schöne andere Welt. In diese Welt darf die fünjährige Lotte jeden Montag eintauchen. Denn dann ist „Lotte-Oma-Tag“. An diesem besonderen Tag holt sie ihre Großmutter gleich nach dem Mittagessen aus dem Kindergarten ab, und sie unternehmen etwas Schönes. Oder sie sind „faul“, bestellen Pizza, spielen Gesellschaftsspiele und schlürfen Kaffee und Kakao mit Honig. Was sie an ihren gemeinsamen Tagen erleben, hat Autorin Miriam Zedelius in 18 kurzen Vorlesegeschichten humor- und liebevoll niedergeschrieben.

Abenteuer Alltag

Es sind diese aus dem Leben gegriffenen Alltagsabenteuer, die meine Kinder für dieses Buch begeistert haben: Leise und lässig, chaotisch und witzig, dann wieder etwas ernster, zum Teil philosophisch. Sie gehen zusammen picknicken im Park – und krümeln und kleckern ganz ohne schlechtes Gewissen. Sie backen einen Kuchen mit geheimnisvollen Zutaten oder veranstalten einen Flohmarkt. Im Schwimmbad traut sich Lotte mit Oma zusammen zum ersten Mal die große Rutsche herunter. Und wenn Lotte mal so richtig schlechte Laune hat, weiß Oma das perfekte Geheimversteck für Schimpfwörter. Lotte ist neugierig auf das Leben, und ihre Großmutter freut sich, dass sie ihren Erfahrungsschatz und ihr Wissen mit ihrer Enkelin teilen kann.

„Lotte und die Oma-Tage“, Illustration: Miriam Zedelius, Hummelburg Verlag

Oma hat immer ein offenes Ohr

Bei ihrer Oma darf Lotte alles fragen und alles sagen. Ihre Großmutter hat ein offenes Ohr, fühlt sich in ihre Enkelin hinein und ist um keine Antwort verlegen. Auch dann nicht, wenn Lotte unbequeme Themen beschäftigen, die besonders einfühlsame Worte erfordern. Solche wie der Tod. Warum sterben Menschen? Kommen Sie dann alle in eine Kiste und werden „vergraben“? Und was steht auf einem Grabstein? Antworten auf diese Fragen findet Lotte bei einem Friedhofsbesuch.

Eine wunderbare Freundschaft

Es ist ein besonderes Band, das die beiden verbindet. Man spürt beim Lesen die Herzlichkeit und Wärme zwischen Lotte und ihrer Oma. Das i-Tüpfelchen sind die zweifarbigen Illustrationen, die genauso unaufgeregt und leicht daherkommen wie der Inhalt der Geschichten.

Unser Fazit:

Ein sehr schönes Buch mit kleinen und großen Alltagsabenteuern. Zum Vorlesen für Großeltern und Enkel, aber auch Eltern und Kinder.

Buch-Infos:

Lotte und die Oma-Tage
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Autorin und Illustratorin: Miriam Zedelius
Erschienen 2019 im Hummelburg Verlag
gebunden, 96 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 4 Jahren
Preis: 12,99 Euro
ISBN 978-3747800010

Kleines Klammeräffchen Aurelia – Lauf doch mal allein!

„Klammeräffchen Aurelia – Lauf doch mal allein!“, Glückschuh Verlag, Foto: Daniela Krause

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„Mama, Papa, auf den Arm!“ – wenn die kleinen Beinchen müde sind vom Laufen, gibt es ja zum Glück die Eltern als Transportmittel. Manchmal haben Kinder einfach keine Lust alleine zu laufen. Getragen zu werden ist ja so schön bequem. Man hat von da oben eine viel bessere Aussicht. Das denkt sich auch die kleine Aurelia. Bei einer Wanderung mit ihrem Vater wird sie müde und möchte getragen werden. Aber ihr Papa sagt: „Aurelia, du kannst laufen. Sogar ein kleines Klammeräffchen kommt allein voran!“

Wie läuft ein Klammeräffchen?

Jetzt möchte Aurelia es genau wissen: „Wie läuft denn ein Klammeräffchen?“, fragt sie ihren Papa. Und wo sie gerade dabei ist, möchte sie auch erfahren, wie andere Tiere vom Fleck kommen. Sie lernt zum Beispiel, dass der Affe auf allen Vieren läuft, die Kröte hüpft und die Raupe kriecht – dass jedes Tier sich auf eine andere Weise fortbewegt. Das muss sie doch gleich mal ausprobieren: Sie testet sämtliche Gangarten, die sie von ihrem Papa gehört hat. Dabei hat sie einen riesigen Spaß. Positiver Nebeneffekt: Ohne es zu merken, ist Aurelia fast am Ziel angekommen.

„Klammeräffchen Aurelia – Lauf doch mal allein!“, Glückschuh Verlag, Foto: Daniela Krause

Vertraute Alltagssituation

Gewitzt und schlau wie Aurelia ist, fragt sie ihren Vater, wie denn kleine Opossums vorwärtskommen. Bestimmt kannst du es dir denken… Richtig! Sie werden von ihren Eltern auf dem Rücken getragen. Darf Aurelia am Ende vielleicht doch noch ein Stückchen die Aussicht von oben genießen? Notiz am Rande: Auf den Seiten wird Aurelia von ihren beiden Kuscheltieräffchen begleitet, die sehr aneinander hängen und vermutlich symbolisch für die Eltern-Kind-Trage-Beziehung stehen.

Das Büchlein „Kleines Klammeräffchen Aurelia – Lauf doch mal allein!“ von Dorothea Flechsig ist bei unserer Lütten (3) genau an der richtigen Adresse. Sie liebt es, getragen zu werden – wenn auch lieber auf den Schultern. Von daher ist ihr die Alltagssituation und elterliche Sprüche wie „Jetzt kannst du aber wieder ein Stück alleine laufen“ vertraut. Die verschiedenen Bewegungen animieren Kinder zum Nachahmen. Sicherlich fallen einem beim Vorlesen noch mehr Synonyme für Laufen ein.

Das Buch hat ein sehr schönes Cover, auf dem sich Glanz- und Mattdruck abwechseln. Es zeigt Aurelia, die von ihrem Papa liebevoll huckepack getragen wird und vermittelt eine sonnigen Eindruck. Die von Katrin Inzinger fröhlich-bunt illustrierten Innenseiten bestehen aus etwas dickerem Papier und lassen sich gut von kleinen Händen greifen und umblättern. Alle Tiere, die im Buch vorkommen, sind außerdem sehr naturgetreu gezeichnet.

Reihe aus dem Glückschuh-Verlag

In ihrem 2011 gegründeten Glückschuh-Verlag hat die Autorin und Journalistin Dorothea Flechsig noch weitere Bücher über die kleine Aurelia veröffentlicht. Die beiden Bücher „Kleine Nachteule Aurelia – Schlaf doch mal!“ und „Kleiner Dreckspatz Aurelia – Wasch dich doch mal!“ beleuchten typische Probleme auf humorvolle Weise mit greifbaren Beispielen aus dem Tierreich. Ihre vielfältigen Kinderbücher und Sachbücher für Kinder wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

Unser Fazit:

Mit diesem liebevoll gestalteten Mitmachbuch lernen Kinder die verschiedenen Fortbewegungsarten kennen. Sie werden zum Nachmachen „angestiftet“ und finden sich in Aurelias Gedankenwelt wunderbar wieder.

Buch-Infos:

Kleines Klammeräffchen Aurelia – Lauf doch mal allein!
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Autorin: Dorothea Flechsig
Illustration: Katrin Inzinger (nach den Original-Figuren von Suse Bauer)
Erschienen 2019 im Glückschuh Verlag

Bilderbuch, 38 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 2 Jahren
Preis: 9,95 Euro
ISBN 978-3943030693

Onno & Ontje – Plötzlich allerdickste Freunde

„Onno & Ontje – Plötzlich allerdickste Freunde“, Coppenrath Verlag, Foto: Daniela Krause

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Manche Bücher nimmt man in die Hand und schließt sie schon beim ersten Blick auf das Cover ins Herz. So ging es meiner Lütten mit diesem wundervollen Bilderbuch. Thomas Springer erzählt die Geschichte von Onno, einem etwas kauzigen, aber liebenswerten Fischer, der mit seiner Frau Olga, seiner Ziege Zieglinde und der Gans Ganslieb auf einer kleinen Insel im Wattenmeer lebt. Onno liebt die Stille und ist am liebsten allein auf seinem Kutter im Meer. Doch eines Tages wird Onno so seekrank, dass er nicht mehr aufs Meer hinaus fahren kann. Kurzerhand übernimmt seine selbstbewusste Frau das Fischen – und Onno hat, zumindest für die Dauer der Tour, zu Hause seine Ruhe.

Ein putziger „Störenfried“

Diese wird jedoch jäh gestört, als das Meer einen kleinen Otter auf die Insel spült, den Onno erst für einen kleinen Seehund hält. Der alte Fischer rettet dem Tierchen das Leben und wärmt ihn. Doch dann macht er sich Gedanken, wie er den putzigen „Störenfried“ wieder loswerden kann. Denn schließlich will Onno allein sein. Er muss also wieder zurück gebracht werden zu „seinesgleichen“. Doch der kleine Otter hat den Fischer lieb gewonnen und weicht ihm nicht mehr von der Seite. Wann immer Onno sich seiner entledigen möchte, findet er zielsicher den Weg zurück.

Rettung in letzter Sekunde

Als er den Otter schließlich mit seiner Draisine ans Festland bringen will, bricht ein Rad ab – und die beiden stranden mitten im Watt. Die Flut bringt das ungewöhnliche Duo in große Bedrängnis. Onno kann nicht schwimmen. „Ontje“, wie Onno den kleinen Otter inzwischen getauft hat (was so viel heißt wie „kleiner Onno“), kann sich zum Glück auf seinem Kopf in Sicherheit bringen. Als nur noch Onnos Pfeife aus dem Meer herausschaut, kommt die Retterin in der Not: Olga fischt sie in letzter Sekunde aus dem Wasser und befördert sie an Bord.

Das gemeinsame Abenteuer hat Onno und Ontje auf wundersame Weise zusammengeschweißt. Onno, der einstige Einzelgänger, möchte den kleinen Otter fortan nicht mehr missen. Beide sind „Plötzlich allerdickste Freunde“, weil Onno merkt, wie gut es tut, wenn man jemanden hat, mit dem man Erlebnisse teilen kann. Und auch Olga stellt fest: „Na, die zwei passen wohl ganz gut zueinander!“

„Onno & Ontje – Plötzlich allerdickste Freunde“, Coppenrath Verlag, Foto: Daniela Krause

Charaktere zum Knuddeln

Die berührende Geschichte wurde in ein großformatiges Buch mit dicken Seiten und wunderschönen Bildern, in überwiegend warmen Farben, stimmungsvoll verpackt. Der Illustrator Mattthias Derenbach interpretiert die Geschichte über eine außergewöhnliche Freundschaft auf eine ganz besondere Weise und mit vielen amüsanten Details, die zum gemeinsamen Entdecken einladen. So sind etwa in das Segel des Kutters eine Hose und eine Socke eingenäht, aus Onnos Pfeife sprießt eine Blume, und zu seinen Füßen spielen Krebse eine Runde Karten. Das Highlight für meine Kinder war jedoch die Zeichnung, in der Onno mit seiner Draisine vor der Flutwelle flieht und ein Seestern hoch oben auf dem Wellenkamm surft. Die Charaktere sind so herzlich gezeichnet, dass man sie am liebsten knuddeln möchte. Rundherum ein sehr gelungenes Werk! Wer zum Beispiel die Geschichten von „Pettersson und Findus“ mag, wird von „Onno und Ontje“ bestimmt ebenso begeistert sein.

Unser Fazit:

Warmherzig und witzig – ein wunderschönes Buch über das Alleinsein und die große Bedeutung der Freundschaft.

Buch-Infos:

Onno & Ontje – Plötzlich allerdickste Freunde
Du kannst das Buch über diesen Link bei genialokal bestellen und damit den lokalen Buchhandel unterstützen. Kaufst du das Buch über den Affiliate Link, erhalte ich eine kleine Provision. Meine Buchtipps sind jedoch frei von Einflussnahme durch Affiliate Partner.

Autor: Thomas Springer
Illustration: Matthias Derenbach
Erschienen 2016 im Coppenrath Verlag

Bilderbuch, 32 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 3 Jahren
Preis: 13 Euro
ISBN 978-3649669203