Das große goldene Pixi-Buch

„Das große goldene Pixi-Buch“ versammelt vielfältige Geschichten von Prinzessinnen, Rittern, Drachen, Hexen, Bauernhoftieren, Gespenstern und vom kleinen Kobold Pixi selbst. Carlsen Verlag, Foto: Daniela Krause

//unbezahlte Werbung/Buch selbst gekauft//

Dem Verleger Per Hjald Carlsen ist es zu verdanken, dass sich heute in fast jedem Haushalt mit Kindern Pixi-Bücher befinden. Bei uns sind die Büchlein so ziemlich in jedem Raum deponiert. Sie passen perfekt in die Handtasche, überbrücken die Wartezeit beim Kinderarzt und lassen während längerer Autofahrten keine Langeweile aufkommen. Auf der Rückseite von jedem Heft finden die Kinder ein kleines Rätsel, einen Bastel-Tipp oder ein Rezept.

1954 kam das erste Pixi im Format zehn mal zehn Zentimeter auf den Markt – und trat eine große Welle los. Der Verlag schreibt über seine Pixis: „Mit über 2000 Titeln und einer Gesamtauflage von mehr als 450 Millionen Exemplaren ist Pixi die erfolgreichste Buchreihe aller Zeiten.“ Seit dem Erscheinen des ersten Titels „Miezekatzen“ sind bis heute über 460 Millionen Exemplare an Pixi-Büchern verkauft worden. Im vergangenen Jahr hat der Verlag zum 65. Geburtstag des kleinen quadratischen Büchleins „Das große goldene Pixi-Buch“ herausgebracht. Als ich es sah, musste ich es kaufen: Goldene geprägte Schrift auf royalem Rot, ein glänzender Buchschnitt und 30 Pixi-Geschichten im großen Quadrat auf rund 300 Seiten.

Von der Bauernhof-Party bis zur Stürmer-Prinzessin

Ein Ausschnitt aus der Geschichte „Feine Sachen vom Ritter & Drachen“. Carlsen Verlag

„Das große goldene Pixi-Buch“ bündelt eine Reihe lustiger, nachdenklicher und spannender Geschichten zwischen seinen haptisch ansprechenden Buchdeckeln. Nicht fehlen darf dabei natürlich der kleine Kobold Pixi selbst, der mit seinen Freunden Umbärto, Hase Langbein & Co. so manches Abenteuer erlebt. Es gibt aber auch Geschichten über Bauernhoftiere, eine Fußball spielende Prinzessin, Piraten, Riesen, Gespenster, Hexen, Bücherfresser und Teichmatrosen. Unter den Autoren sind bekannte Namen wie Cornelia Funke, Kirsten Boie, Paul Maar, Andreas Steinhöfel, Peter Härtling und viele andere zu finden. Die Seiten des Buches sind durchgängig farbig bebildert von Illustratoren wie Anke Kuhl, Susanne Göhlich, Kerstin Meyer oder Jörg Mühle.

Stundenlanger Vorlese-Spaß

Das schmucke Buch sorgt für viele unterhaltsame Vorlesestunden. Leicht kann es nämlich passieren, dass es nicht bei einer Geschichte bleibt und die Kinder „noch eine“ fordern. Sogar unsere Lieblings-Pixi-Geschichte „Feine Sachen vom Ritter & Drachen“ von Martin Klein mit Bildern von Michael Bayer haben wir im goldenen Buch entdeckt.

Unser Fazit:

Das große goldene Pixi-Buch ist ein Schatz im Bücherregal und garantiert mehrere Stunden Vorlese-Vergnügen!

Buch-Infos:

Das große goldene Pixi-Buch
Du kannst das Buch über diesen Link bei genialokal bestellen und damit den lokalen Buchhandel unterstützen. Kaufst du das Buch über den Affiliate Link, erhalte ich eine kleine Provision. Meine Buchtipps sind jedoch frei von Einflussnahme durch Affiliate Partner.

Titel: Das große goldene Pixi-Buch
Erschienen 2019 im Carlsen Verlag
gebunden, 304 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 3 Jahren
Preis: 19,99 Euro
ISBN 978-3551512093

„Der Hund urteilt nicht“

Im Magazin „Syke Life“ der Mediengruppe Kreiszeitung erschien im Juni 2020 mein Interview zum Thema tiergestützte Pädagogik mit Diplom-Sozialpädagogin Martina Merx. Während unseres Gesprächs merkte ich schnell, dass der Beitrag hervorragend in den Kontext meines Kinderbuchblogs passt, da es um Leseförderung geht. Ich freue mich, dass ich das Interview über sie, „Vorlesehund“ Paul und ihre gemeinsame Arbeit hier ein weiteres Mal veröffentlichen darf:

Diplom-Sozialpädagogin
Martina Merx mit Paul.
Foto: Martina Merx

Ein Hund als Leseförderer? Ja, das funktioniert – sehr gut sogar. Vor drei Jahren startete die Erlenschule in Syke, eine staatlich anerkannte Tagesbildungsstätte mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, das zusätzliche Unterrichtsangebot „Vorlesehund“. Diplom-Sozialpädagogin und Initiatorin Martina Merx ermöglicht seitdem Schülern der Jahrgangsstufen eins bis zwölf zwei Vorlese-Stunden pro Woche – inklusive ausgiebiger Streicheleinheiten für ihren Golden Retriever Paul. Im Interview berichtet sie über den aktuellen Stand.

Frau Merx, wie ist es zum „Vorlesehund“ gekommen?

Ich hatte eine einjährige Weiterbildung in „Tiergestützter Therapie/Pädagogik“ an der Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer (wisoak) in Bremen absolviert. Ursprünglich war der Plan, dass Paul einfach nur mit in die Klasse kommt, um dort für ein positives Klima zu sorgen. Das wurde dann ausgebaut auf die Leseförderung – mit dem Hund als Brücke zwischen Lehrer und Schüler.

Was bewirkt Pauls Anwesenheit bei den Kindern und Jugendlichen?

Durch ihn ist die Situation viel entspannter. Die Kinder können Stress und Druck abbauen, der Blutdruck wird nachweislich gesenkt. Sie haben weniger Hemmungen, frei zu sprechen oder laut vorzulesen. Kinder, die noch nicht lesen können, erzählen ihm, was sie auf den Bildern sehen. Das Schöne ist ja, der Hund urteilt nicht. Ihm ist es wurscht, ob das Kind beim Vorlesen Fehler macht. Er ist einfach da und hört zu.

Welches Feedback bekommen Sie von den Eltern der Schüler?

Im Großen und Ganzen ein sehr positives. Wir müssen uns immer vorher abstimmen. Es gibt Kinder, die gegen Tierhaare allergisch sind oder große Angst vor Hunden haben. Die meisten Eltern freuen sich sehr darüber, dass Paul an der Schule ist. Auch zu Hause ist er ein großes Thema.

Was tun Sie denn, wenn ein Kind Angst vor Hunden hat?

Zum Glück weiß ich das im Vorfeld durch das Gespräch mit den Eltern. Wir versuchen dann, uns vorsichtig anzunähern. Das kann so aussehen, dass das Kind Paul ein Leckerli auf den Boden legt und ihn erst einmal nur beobachtet. Wir hatten eine Schülerin mit panischer Angst vor Hunden – am Ende hat sie beim Vorlesen mit ihm gekuschelt.

„Vorlesehund“ Paul in Aktion. Foto: Martina Merx.

Wie läuft so eine Vorlese-Stunde ab?

Drei bis vier Schüler sind mit Paul und mir im Raum, und jeder hat die Chance, zehn bis 15 Minuten vorzulesen. Zuerst gibt es ein kleines Begrüßungsritual mit Leckerli. Dann setzt sich das Kind mit Paul auf den Boden, liest ihm vor und streichelt ihn dabei, wenn es das möchte. Die anderen hören zu. Ich bin dann „eigentlich gar nicht da“, passe lediglich aus dem Hintergrund auf, dass es eine angenehme Situation für alle Beteiligten ist. So kann sich das Kind ganz auf das Vorlesen konzentrieren.

Wie würden Sie das Zusammenspiel zwischen Kind und Hund beschreiben?

Ruhig und entspannt. Man spürt die Zuneigung. Paul schmiegt sich oft ganz nah an den Schüler heran. Es ist eine schöne, gemütliche Atmosphäre, und man merkt gar nicht, dass es eigentlich Lese-Unterricht ist.

Gab es eine Begegnung, die Sie besonders berührt hat?

Wir hatten eine Schülerin mit starker Spastik. Als wir ihre Hand vorsichtig auf Pauls Fell gelegt haben, merkten wir, wie diese auf einmal locker und weich wurde. Das war ein so schöner Moment. Mir standen fast die Tränen in den Augen. Eine kleine Ursache, in diesem Fall die Nähe zum Tier, kann so eine große Wirkung haben. In den Anfängen wurde „Tiergestützte Therapie/Pädagogik“ gerne mal als „Kuscheltherapie“ belächelt. An solchen Beispielen sieht man, dass es wirklich funktioniert. Inzwischen gibt es in immer mehr Einrichtungen solche Angebote.

Was muss Paul als Vorlesehund können? Kann das jeder Hund?

Zunächst ist es wichtig, dass Frauchen oder Herrchen eine entsprechende Ausbildung mitbringt. Der Hund sollte ein ruhiges, geduldiges Wesen haben und für diese Arbeit geeignet sein.

Paul ist jetzt sechs Jahre alt. Welche Pläne haben Sie mit ihm?

Bei guter Gesundheit und Verfassung kann er das bestimmt noch bis zu seinem zehnten Lebensjahr weitermachen. Er ist nicht nur Vorlesehund, sondern auch Begleithund und unterstützt die Kinder in ihrer Bewegung und Motorik.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass unser Angebot weiterlaufen kann. Lesen ist gerade in der heutigen von Medien dominierten Zeit so wichtig. Deshalb liegt es mir sehr am Herzen, dass das zusätzliche Unterrichtsangebot „Vorlesehund“ eine Zukunft hat.

Ich bedanke mich herzlich für das Interview.

Daniela Krause, Mai 2020

Zur Person

Martina Merx ist an der Erlenschule als Diplom-Sozialpädagogin und -arbeiterin für die Leseförderung zuständig. An zwei Tagen die Woche ist sie mit ihrem Hund Paul an der Erlenschule im Einsatz. Die gebürtige Nienburgerin lebt in Stuhr und hat drei Kinder.

Die Erlenschule

Die Erlenschule, staatlich anerkannte Tagesbildungsstätte, besteht seit 1969 und ist eine Schulform mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Der Unterricht in der Erlenschule wird gemäß den Vorgaben des Kerncurriculums des niedersächsischen Kultusministeriums gestaltet. Träger ist die Lebenshilfe Syke.

Tipps zum Vorlesen

Vorlesen ist für dich und dein Kind gleichermaßen entspannend. Ihr macht etwas Schönes gemeinsam – und ganz nebenbei stärkt es die Eltern-Kind-Bindung. Warum ich persönlich das Vorlesen so sehr liebe, kannst du unter diesem Link nachlesen. Hier stelle ich dir Tipps zusammen, wie ihr dieses Ritual ganz bewusst genießen könnt.

Vorlesen stärkt die Eltern-Kind-Bindung und schafft euch eine kleine Ruhe-Insel im Alltag. Foto: Jens Krause

  • Schaffe eine ruhige Wohlfühlatmosphäre: Das kann das gemütliche Sofa sein, die liebevoll eingerichtete Leseecke mit den kuscheligen Kissen oder das Bett. Eben ein Ort, an dem ihr besonders gut relaxen könnt – bitte ohne Störfaktoren wie ein klingelndes Telefon oder ständig vibrierendes Smartphone. Fernseher und Radio haben beim Vorlesen ebenso Sendepause. Auch wenn es dir nicht immer leicht fallen wird: Nimm dir Zeit für den Moment – und versuche den Alltag auszublenden.

  • Lass dein Kind mitentscheiden, was vorgelesen werden soll. Bei zu vielen Büchern im Regal verliert es schnell den Überblick. Wir haben uns für das Wohnzimmer ein kleines Bodenregal gekauft, in das etwa zehn Bücher passen, die wir regelmäßig austauschen. Die Cover sind nach vorne ausgerichtet, damit das Kind gleich erkennt, um welches Buch es sich handelt. Stehen die Bücher Rücken an Rücken im Regal, können kleine Kinder damit noch nicht viel anfangen.

  • Schnappe dir euer Lieblingsbuch oder eben ein Buch, das zum Alter, den Interessen und Vorlieben deines Kindes passt. Dann kannst du starten: Halte das Buch beim Lesen so, dass dein Kind die Inhalte gut betrachten kann. Sicherlich sucht es während du erzählst und vorliest instinktiv deine Nähe. Während des Vorlesens solltest du zwischendurch Blickkontakt herstellen, dann weißt du, wie dein Kind das Gehörte aufnimmt und welche Emotionen sich in seinem Gesicht widerspiegeln.

  • Damit dein Kind dir beim Vorlesen gut folgen kann, darf das Lesetempo nicht zu schnell sein. Sprich klar und deutlich. Mache bewusst kleine Pausen. Das gibt deinem Kind die Gelegenheit nachzuhaken, wenn es etwas nicht verstanden hat oder über ein Thema mehr erfahren möchte. Unterbrechungen sind erlaubt, etwa wenn dein Kind dir ein bestimmtes Bild zeigen möchte oder über etwas sprechen möchte, das ihm spontan in den Sinn kommt, während es die Bilder betrachtet. Die Illustrationen eines Buches liefern oft Gesprächsstoff, der über den Text hinaus geht, weil sie vielleicht andere Details aufgreifen.

  • Erwecke die Geschichte zum Leben: Alles was du dafür brauchst, ist deine Stimme. Indem du sie verstellst, Schlüsselwörter betonst, mal leise, mal lauter sprichst oder lustige Geräusche von dir gibst (zum Beispiel „Rums!“ beim Zuknallen einer Tür), machst du das Vorlesen für dein Kind besonders spannend, unterhaltsam und abwechslungsreich. Du kannst das Vorgelesene zusätzlich mit deiner Mimik und Gestik unterstreichen.

  • Vielleicht hast du Hilfsmittel im Haus, die zu der Geschichte passen. Das kann zum Beispiel ein Kuscheltier, eine Handpuppe oder eine Spielfigur sein – oder ein anderer Gegenstand, der in der Handlung vorkommt. Lass deiner Fantasie (und der deines Kindes) freien Lauf.

  • Nach dem Vorlesen macht es Sinn, über die Geschichte zu sprechen. Bestimmt hat dein Kind noch ein paar Fragen oder du selbst Ideen und Anregungen, wie ihr die gelesenen Inhalte vertiefen könnt. Ihr könntet etwas basteln, weitere Bücher zum Thema aussuchen oder – wenn es beispielsweise ein Buch über den Wald ist – rausgehen und gemeinsam Neues entdecken.

  • Nochmal, Mama! Diesen Satz höre ich nach dem Vorlesen besonders häufig von meiner Lütten. Es kann sehr gut sein, dass dein Kind während des Vorlesens im Buch einige Buchstaben wiederentdeckt, die es kennt. Möglicherweise liest es sogar schon still mit und möchte die Worte verinnerlichen. Und irgendwann überrascht es dich vielleicht damit, dass es von selbst das Buch zur Hand nimmt und dir die Geschichte erzählt. Ein Buch fünfmal hintereinander vorlesen zu müssen, kann also durchaus seine Berechtigung haben. 😉

  • Bindet das Vorlesen am besten täglich in euren Tagesablauf ein. Vorlesen ist ein wunderschönes Zu-Bett-geh-Ritual. Ihr könnt euch aneinanderschmiegen, zur Ruhe kommen und den Tag gemeinsam ausklingen lassen. Aber auch nachmittags ist eine gute Zeit, wenn keine anderen Termine anstehen. Wichtig ist, dass ihr einen passenden Moment wählt und euch ganz auf das Buch einlassen könnt.

  • Dein Kind kann schon selber lesen? Super! Aber das ist kein Grund, mit dem Vorlesen aufzuhören. Du kannst damit für dich und dein Kind wundervolle Erinnerungen schaffen, Momente voller Nähe, Aufmerksamkeit und Geborgenheit – da spielt das Alter wirklich keine Rolle. Lies vor solange dein Kind es möchte.

Wie machst du das mit dem Vorlesen? Hast du einen Tipp, der hier noch nicht aufgelistet wurde. Dann schreib mir gerne – und ich vervollständige die Liste.

Netzfund: einfachvorlesen.de

Einfach vorlesen
Screenshot der Seite „einfach.vorlesen.de“ vom 6. November 2018

Ein schlauer Kopf hat ausgerechnet, dass wir durchschnittlich fünf Jahre (!) unserer Lebenszeit mit Warten verbringen. Wenn man dann auch noch ein Kind dabei hat, aber leider nichts zum Beschäftigen, ist die Geduld des Nachwuchses und –  daraus resultierend – die Eigene irgendwann erschöpft.

Eine schöne Möglichkeit, um unterwegs gemeinsam Wartezeiten zu überbrücken, bietet das kostenlose und werbefreie Angebot „Einfach vorlesen“ der Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung, das im Sommer online gegangen ist. Auf der Internetseite einfachvorlesen.de werden jede Woche ausgewählte Geschichten bekannter Verlage zum Vorlesen per Tablet, Smartphone oder Laptop bereitgestellt und stehen dann vier Wochen lang zur Verfügung. Auch als App steht „Einfach vorlesen“ zum Beispiel im Play Store zur Installation bereit. Die bunt illustrierten Geschichten sind nach Alter gestaffelt: für Kinder ab drei, fünf und sieben Jahren. Unter jedem Titel ist eine ungefähre Vorlese-Dauer angegeben. Alle Texte können online genutzt oder als PDF heruntergeladen werden. Komplettiert wird das Angebot durch den Bereich „Vorlesetipps“.

Wer sich für den Newsletter anmeldet, wird regelmäßig über neue Vorlese-Angebote auf einfachvorlesen.de informiert. Außerdem können sich Eltern per WhatsApp oder Facebook-Messenger über aktuelle Geschichten auf dem Laufenden halten.

Warum ich das Vorlesen liebe

Heute möchte ich dir erzählen, warum ich meinen Kindern so gerne vorlese. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Der erste liegt in meiner eigenen Kindheit. Denn schon als kleines Kind war ich verliebt in Bücher und lauschte den Geschichten, die mir meine Eltern vorlasen. Jedes Buch war für mich wie eine kleine Welt. Und ich konnte nicht genug davon bekommen, in diese Welten einzutauchen. Ich konnte tatsächlich einige Bücher aus dem Gedächtnis mitsprechen. Und wehe, meine Eltern versuchten zu schummeln und die Geschichte abzukürzen…

Wenn meine Kinder möchten, dass ich ihnen etwas vorlese, komme ich diesem Wunsch meistens nach. Es sei denn, es passt wirklich überhaupt nicht in den Zeitplan. Mittlerweile bleibt auch meine zweijährige Tochter gern neben mir sitzen, wenn ich meinem vierjährigen Sohn etwas vorlese. Vor einigen Monaten, fand sie Bücher mit größeren Textpassagen eher weniger spannend. Umso schöner ist es, wenn ich jetzt beiden gleichzeitig etwas vorlesen kann. Das mache ich am liebsten bei uns zu Hause, in der liebevoll eingerichteten Kinderabteilung unserer Stadtbibliothek – oder, wenn ich irgendwo Wartezeiten überbrücken muss, auch unterwegs (etwa beim Kinderarzt).

Ich genieße besonders die Zeit, in der wir zusammengekuschelt auf dem Sofa sitzen und gemeinsam Bücher anschauen. Ich merke, wie die beiden sich beim Vorlesen entspannen und zur Ruhe kommen, wie sie konzentriert versuchen von der großen Zahl an Wörtern, die sie hören, so viele wie möglich in ihren kleinen Köpfen zu speichern. Ich lese bewusst etwas langsamer, damit sie folgen können. Wenn sie etwas sagen möchten oder eine Frage haben, mache ich eine kleine Pause. Bei meiner Kleinen ist es so, dass sie oftmals nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, es selbst noch einmal „lesen“ möchte. Dabei schaut sie dann genau auf die Bilder und versucht das Gesehene mit ihren eigenen Worten wiederzugeben. Eine prima Gelegenheit, um mit ihr über das Buch ins Gespräch zu kommen.

Natürlich werden – gerade für den Großen – zunehmend andere Medien interessant. Fernsehen beispielsweise oder Tablet. Umso glücklicher bin ich, wenn er mich bittet, ihm ein Buch vorzulesen. Ein richtiges Buch. Mit Seiten aus Papier.

Ich glaube, dass das Vorlesen für Kinder immens wichtig ist, um sich nach und nach ein eigenes Bild von ihrer Welt machen zu können, um die eigenen Gefühle besser kennenzulernen, Empathie zu entwickeln, Zusammenhänge zu begreifen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen…

Vorlesen ist auch fester Bestandteil unseres Zu-Bett-geh-Rituals. Die Kinder dürfen dann selbst ein Buch aussuchen – vorausgesetzt, es ist nicht gerade 100 Seiten lang. Abends ist das Vorlesen perfekt, um langsam ruhiger zu werden und den Kopf von den vielen aufregenden Erlebnissen des Tages freizubekommen – das gilt für uns alle. Denn auch mein Mann und ich können beim Vorlesen einen Gang runterschalten und den gemeinsamen Moment mit unseren Kindern genießen.

Warum liebst du das Vorlesen?