Ein Schweinebär im Schlafanzug

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„Ein Schweinebär im Schlafanzug“, Andreas Langer und Katalin Eva Pop, Foto: Daniela Krause

Das Problem war Sascha selbst: Diesmal war er ein leibhaftiger Schweinebär! Mit rosa Rüssel, braunem Zottelfell, spitz zulaufenden Ohren, Tatzen und einem Buckel über den Schultern. An den alten Sascha erinnerte nur noch der blau-weiß gestreifte Schlafanzug, in dem er nach wie vor steckte.“

Lieblingszitat aus „Ein Schweinebär im Schlafanzug“ von Andreas Langer

„Du kleines Ferkel!“ – Ja, ich bekenne mich! Auch ich habe diese Worte schon zu meinen Kindern gesagt, wenn sie sich am Esstisch wie die kleinen Schweinchen am Trog verhalten haben. Und wie oft höre ich mich sagen: „Benutzt bitte die Gabel, nicht die Finger!“ Insofern war das Buch von Andreas Langer sowohl für mich als auch für meinen Großen (6) und die Lütte (fast 4) ein gefundenes Fressen. Denn das Buch „Ein Schweinebär im Schlafanzug“ dreht sich genau um dieses für Eltern und Kinder sehr leidige Thema.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Jule. Jule ist zehn Jahre alt und hat einen kleinen Bruder, Sascha. Obwohl dieser mit fast sieben Jahren schon zur Schule geht (und man von ihm in seinem Alter so etwas wie Disziplin am Esstisch erwarten dürfte), futtert er wie ein Schwein. Deshalb wird er von seinen Eltern – halb liebevoll, halb verzweifelt – „Schweinebär“ genannt. Denn egal, was es zu essen gibt, hinterher sieht es an und unter seinem Essplatz aus wie im Saustall. Seiner Schwester tut Sascha etwas leid. Auch wenn er sich beim Essen manchmal wirklich tollpatschig anstellt. Doch sicherlich haben weder sie noch ihre Eltern gewollt, dass sich Sascha eines Tages in einen echten „broinkenden“ Schweinebären (einen Mix aus Schwein und Bär) verwandelt (Kafka lässt grüßen).

Amüsantes Versteckspiel

Saschas Eltern schieben sich gegenseitig die Schuld an seiner Verwandlung in die Schuhe. Nur Jule bewahrt einen kühlen Kopf und schreitet zur Tat: So ein Schweinebär MUSS ja mal – zum einen etwas fressen, zum anderen ein Häufchen machen. Und dann sind da noch die neugierigen Nachbarn und der strenge Hausmeister, die bestimmt keinen Schweinebären im Haus dulden. Es beginnt ein amüsantes Versteckspiel. Jule hat alle Hände voll zu tun, um ihren Bruder vor Fallstricken zu bewahren und glaubhafte Ausreden für dessen Missgeschicke und Hinterlassenschaften zu finden. Geschickt werden die unangenehmen Gerüche in der Wohnung auf die „Verdauungsprobleme“ der Mutter geschoben, damit Herr Hartenstein, der Hausmeister, ja keinen Verdacht schöpft.

Für immer ein Schweinebär?

Trotz der turbulenten Ereignisse und dem riesen Tohuwabohu in der Wohnung gewöhnt sich die Familie an ihren tierischen Mitbewohner – bis die Polizei vor der Tür steht. Saschas Abstecher in die Schlammgrube auf der nahe gelegenen Baustelle ist natürlich nicht unbeobachtet geblieben. Als dann auch noch die zeternden Nachbarn in der Tür stehen, kapituliert die Familie. Die Eltern bekennen sich (endlich) zu ihrem Schweinebären – und wie durch Hexerei verwandelt sich dieser wieder in den „alten“ Sascha. Seine Eltern nennen ihn fortan nie wieder Schweinebär, obwohl er immer noch wie einer futtert.

Und die Moral?

Farbig an diesem Taschenbuch ist leider nur das Cover, welches die wichtigsten Protagonisten im Sessel sitzend vereint, uns allerdings nicht so vom Hocker gerissen hat. Hier hätten wir uns eine turbulentere Szene gewünscht. Das von Katalin Eva Pop mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen illustrierte Büchlein transportiert mit seinem Ende eine wichtige Botschaft: Die Eltern haben gelernt, Sascha so anzunehmen, wie er i(s)st. Auch wenn das bedeutet, dass die Wohnung wie ein Schweinestall aussieht. Man hätte vielleicht einen Kompromiss finden können: Sascha hätte lernen können, beim Essen weniger „herumzuferkeln“. Doch genau so ein Ende oder gar eine Moral hatte der Autor wohl nicht im Sinn. Das unterstreicht dieser O-Ton von Saschas Mutter: „So sind Kinder nun einmal. Sauber und ordentlich können sie als Erwachsene noch lange genug sein.“ Da ist was dran, finden wir.

Passend zur Geschichte gibt es am Ende des Taschenbuches noch einige Mitmachseiten mit Rätseln. Auf der Internetseite von Andreas Langer kann man sich die Seiten in groß ausdrucken, Ausmalbild inklusive.

Unser Fazit:

Die Lektüre vom „Schweinebären im Schlafanzug“ hat bei uns für vergnügte Vorlesestunden gesorgt. Es lädt dazu ein, die Dinge nicht ganz so ernst zu nehmen. Und vor allem, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind. Darauf ein dreifaches: Broink!“

Buch-Infos:

Ein Schweinebär im Schlafanzug
Du kannst das Buch über diesen Link bei genialokal bestellen und damit den lokalen Buchhandel unterstützen. Kaufst du das Buch über den Affiliate Link, erhalte ich eine kleine Provision. Meine Buchtipps sind jedoch frei von Einflussnahme durch Affiliate Partner.

Autor: Andreas Langer
Zeichnungen von: Katalin Eva Pop

Erschienen 2019 im Selbstverlag
Taschenbuch, 108 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 5 Jahren
Preis: 6,95 Euro
ISBN 978-3749485161

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse

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„Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse“, Anaconda-Verlag, Foto: Daniela Krause

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Manchmal gibt es schöne Zufälle: In einem Seminar zum Thema WordPress hat mir die liebe Melanie vom Blog „Kistengrün“ die Seite „Lyrikbrause“ ans Herz gelegt. Dort veröffentlicht die Journalistin und Autorin Heike Nieder ihre Gedichte für Kinder. Als Kind „verschlang“ sie einen Sammelband mit Versen von Heinz Erhardt und begann selbst zu reimen – auch später in der Elternzeit. „Ich habe gemerkt, dass mir das Verseschmieden einen schönen Ausgleich bringt zum alltäglichen Wahnsinn mit drei kleinen Kindern und dass man das auch vorzüglich beim Wickeln, Brei-Anrühren und Kinderwagenausfahren machen kann“, schreibt sie auf ihrem Blog.

Nun hat Heike Nieder ihre Kinderlyrik-Anthologie „Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse – Lustige und nachdenkliche Gedichte für Kinder“ herausgegeben, die von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum „Kinderbuch des Monats Juli“ gekürt wurde.

Wir durften das Büchlein lesen und waren ganz begeistert von den liebevoll ausgesuchten Gedichten, die einen zeitlichen Bogen vom 18. Jahrhundert bis in die Ist-Zeit schlagen. Die Illustratorin Katharina Staar hat zu jedem Gedicht etwas thematisch Passendes gemalt und haucht den Versen so zusätzlich Leben ein. In Anlehnung an die „Lyrische Hausapotheke“ von Erich Kästner enthält das Buch Verse für Kinder „zur seelischen Verwendung“ in unterschiedlichen Lebenslagen – zum Beispiel, wenn man etwas angestellt hat, wenn man müde oder krank ist, wenn man nicht vernünftig sein will, gerne nachdenken möchte oder einfach für immer Kind sein will.

Das Büchlein ist gefüllt mit über 100 Gedichten – darunter wirst du bestimmt auch manchen Bekannten wiedersehen, etwa „Die Heinzelmännchen zu Köln“ von August Kopisch, „Ich habe dich so lieb“ von Joachim Ringelnatz oder „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke. Auch Goethes „Der Zauberlehrling“ ist uns begegnet, den ich damals in der Schule auswendig vortragen musste und natürlich „Der Schnupfen“ von Christian Morgenstern, der Pate für den Titel stand.

Kleinere Reime zum Schmunzeln sind ebenfalls unter den Gedichten. Beispielsweise folgender von Heinz Erhardt:

Ein langer dicker Regenwurm
geriet in einen Wirbelsturm,
der trug ihn bis zum Himmel.
Nun dient er oben, nein wie fein, 
dem allerliebsten Engelein,
als Klöppel einer Bimmel. 

Heike Nieder hat zudem ein paar eigene Gedichte mit eingestreut, zum Beispiel das von „Miss Pig“, einer Sau, die unbedingt eine Miss-Wahl gewinnen möchte und eine sehr originelle Eigeninterpretation beziehungsweise Fortsetzung von Morgensterns „ästhetischem Wiesel“. 

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„Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse“, Anaconda-Verlag, Foto: Daniela Krause

Angetan war ich auch von so mancher persönlicher „Neuentdeckung“ wie „Der Bär als Tenor“ von Fred Endrikat, dem verträumten „Mann im Mond“ von Mascha Kaléko oder dem schönen Gedicht „Wovon träumt der Astronaut auf der Erde“ von Christine Busta, das ich noch nicht kannte. 

Unser Fazit:

Dieses Buch ist wunderbar zeitlos und bereitet viel Freude beim Anschauen und gemeinsamen Lesen. Der Gedichtband ist perfekt, um von Generation zu Generation weitergegeben zu werden.

Klappentext:

(….) Heike Nieder hat die schönsten Gedichte für Kinder vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart zusammengestellt und dabei  nach Stimmungen gegliedert. So liest sich bei Fernweh das Gedicht vom Luftschiffer besonders gut und wenn einem der Sinn nach Unfug steht, ist Kästners verhextes Telefon genau das Richtige. Die fröhlichen Illustrationen bezaubern kleine und große Leser.

Buch-Infos:

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse
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Herausgegeben von Heike Nieder
Illustriert von Katharina Staar

Erschienen im Anaconda Verlag
gebundenes Buch, 128 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 5 Jahren
ISBN: 978-3730607152
Preis: 7,95 Euro

Die kleine Omi

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„Die kleine Omi“, Jonna Struwe, Beatrice Confuss, Fotos: Daniela Krause

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Wenn meine Oma mir „von früher“ erzählt hat, hing ich förmlich an ihren Lippen, weil ich die Geschichten aus der alten Zeit so spannend fand. Genauso ergeht es Lena und Max, wenn die kleine Omi sich an längst Vergangenes erinnert. Dabei ist sie gar nicht ihre richtige Oma. Die beiden Kinder nennen sie nur liebevoll „kleine Omi“, weil ihre freundliche, betagte Nachbarin so klein ist, dass sie gerade mal über ihr Autodach gucken kann. Sie ist eine hervorragende Zuhörerin. Sie erzählt Geschichten, die andere „Vertreter“ ihrer Generation vielleicht eher für sich behalten würden. Und manchmal passt sie auf Max und Lena auf, weil deren Großeltern viel zu weit weg wohnen, um mal eben kurz vorbeizukommen.

Mit „Die kleine Omi“ gibt Jonna Struwe ihr gelungenes Debüt als Kinderbuchautorin und erzählt in sechs Kapiteln lebendig und warmherzig von der Kindheit – heute und damals. So erfahren die Kinder zum Beispiel, dass Mädchen früher keine Hosen tragen durften, dass katholische und evangelische Kinder in der Schule strikt getrennt wurden, dass fluchende Kinder zum Pfarrer geschickt wurden, dass der Namenstag früher eine viel größere Bedeutung hatte als der Geburtstag heute – und sie kommen hinter das Geheimnis, warum die kleine Omi nie richtig Fahrradfahren gelernt hat.

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Unser Lieblingsbild.

Dem Großen (5) hat das Buch sehr gut gefallen. Mal musste er lachen, mal nachfragen und einmal bekam er tatsächlich rote Ohren, bei den lustigen, interessanten und frechen Geschichten der kleinen Omi. Hervorheben möchte ich neben dem sehr originellen Cover die Gestaltung, beziehungsweise die Illustrationen von Beatrice Confuss auf den Innenseiten. Sie machen den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sehr gut erlebbar, denn die Geschichten von früher werden mit ganzseitigen bunten Bildern untermalt, während alle Geschehnisse im „Jetzt“ in Schwarz-Weiß gehalten sind – also genau umgekehrt als erwartet. So wird die Historie zum einen in den Bildern lebendig, zum anderen in den unterhaltsamen Erzählungen der kleinen Omi, die die unterschiedlichen Personen direkt zu Wort kommen lässt.

Unser Fazit:

Dieses Vorlesebuch schlägt einen Bogen zwischen Kindheit früher und heute und ist dabei locker und unterhaltsam zu lesen. Es macht Lust darauf, den eigenen Großeltern Löcher in den Bauch zu fragen.

Klappentext:

Die kleine Omi ist wirklich klein. So klein, dass sie kaum über ihr Autodach linsen kann. Aber dass sie auch mal so klein war wie Max und Lena, ein Kindergarten- oder Schulkind, das können sich die beiden nicht vorstellen. Gebannt hören sie deshalb zu, wenn die kleine Omi Geschichten erzählt, Geschichten, die sie erlebt hat, als sie ein Kind war. Warum sie zum Beispiel in der Schule nicht durch die gleiche Tür gehen durfte wie die evangelischen Kinder und am Ende ihres ersten Schultages im Fahnenmast stecken blieb; oder warum sie heimlich Fahrrad fahren lernen wollte und dabei fast baden ging; oder warum der Garten für sie Vorratskammer, Spielzimmer und Klo in einem war. Und was das alles mit Lenas Sammelbildchen vom Supermarkt, Max Fußballspielen und Mamas Geburtstag zu tun hat, das erzählt die kleine Omi auch.

Buch-Infos:

Die kleine Omi
Du kannst das Buch über diesen Link bei genialokal bestellen und damit den lokalen Buchhandel unterstützen. Kaufst du das Buch über den Affiliate Link, erhalte ich eine kleine Provision. Meine Buchtipps sind jedoch frei von Einflussnahme durch Affiliate Partner.

Text: Jonna Struwe
Illustration: Beatrice Confuss
https://die-kleine-omi.de/
Books on Demand
gebundenes Buch mit Lesebändchen, 60 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 5 Jahren
ISBN: 978-3748110255
Preis: 14,99 Euro