Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse

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„Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse“, Anaconda-Verlag, Foto: Daniela Krause

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Manchmal gibt es schöne Zufälle: In einem Seminar zum Thema WordPress hat mir die liebe Melanie vom Blog „Kistengrün“ die Seite „Lyrikbrause“ ans Herz gelegt. Dort veröffentlicht die Journalistin und Autorin Heike Nieder ihre Gedichte für Kinder. Als Kind „verschlang“ sie einen Sammelband mit Versen von Heinz Erhardt und begann selbst zu reimen – auch später in der Elternzeit. „Ich habe gemerkt, dass mir das Verseschmieden einen schönen Ausgleich bringt zum alltäglichen Wahnsinn mit drei kleinen Kindern und dass man das auch vorzüglich beim Wickeln, Brei-Anrühren und Kinderwagenausfahren machen kann“, schreibt sie auf ihrem Blog.

Nun hat Heike Nieder ihre Kinderlyrik-Anthologie „Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse – Lustige und nachdenkliche Gedichte für Kinder“ herausgegeben, die von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum „Kinderbuch des Monats Juli“ gekürt wurde.

Wir durften das Büchlein lesen und waren ganz begeistert von den liebevoll ausgesuchten Gedichten, die einen zeitlichen Bogen vom 18. Jahrhundert bis in die Ist-Zeit schlagen. Die Illustratorin Katharina Staar hat zu jedem Gedicht etwas thematisch Passendes gemalt und haucht den Versen so zusätzlich Leben ein. In Anlehnung an die „Lyrische Hausapotheke“ von Erich Kästner enthält das Buch Verse für Kinder „zur seelischen Verwendung“ in unterschiedlichen Lebenslagen – zum Beispiel, wenn man etwas angestellt hat, wenn man müde oder krank ist, wenn man nicht vernünftig sein will, gerne nachdenken möchte oder einfach für immer Kind sein will.

Das Büchlein ist gefüllt mit über 100 Gedichten – darunter wirst du bestimmt auch manchen Bekannten wiedersehen, etwa „Die Heinzelmännchen zu Köln“ von August Kopisch, „Ich habe dich so lieb“ von Joachim Ringelnatz oder „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke. Auch Goethes „Der Zauberlehrling“ ist uns begegnet, den ich damals in der Schule auswendig vortragen musste und natürlich „Der Schnupfen“ von Christian Morgenstern, der Pate für den Titel stand.

Kleinere Reime zum Schmunzeln sind ebenfalls unter den Gedichten. Beispielsweise folgender von Heinz Erhardt:

Ein langer dicker Regenwurm
geriet in einen Wirbelsturm,
der trug ihn bis zum Himmel.
Nun dient er oben, nein wie fein, 
dem allerliebsten Engelein,
als Klöppel einer Bimmel. 

Heike Nieder hat zudem ein paar eigene Gedichte mit eingestreut, zum Beispiel das von „Miss Pig“, einer Sau, die unbedingt eine Miss-Wahl gewinnen möchte und eine sehr originelle Eigeninterpretation beziehungsweise Fortsetzung von Morgensterns „ästhetischem Wiesel“. 

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„Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse“, Anaconda-Verlag, Foto: Daniela Krause

Angetan war ich auch von so mancher persönlicher „Neuentdeckung“ wie „Der Bär als Tenor“ von Fred Endrikat, dem verträumten „Mann im Mond“ von Mascha Kaléko oder dem schönen Gedicht „Wovon träumt der Astronaut auf der Erde“ von Christine Busta, das ich noch nicht kannte. 

Unser Fazit:

Dieses Buch ist wunderbar zeitlos und bereitet viel Freude beim Anschauen und gemeinsamen Lesen. Der Gedichtband ist perfekt, um von Generation zu Generation weitergegeben zu werden.

Klappentext:

(….) Heike Nieder hat die schönsten Gedichte für Kinder vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart zusammengestellt und dabei  nach Stimmungen gegliedert. So liest sich bei Fernweh das Gedicht vom Luftschiffer besonders gut und wenn einem der Sinn nach Unfug steht, ist Kästners verhextes Telefon genau das Richtige. Die fröhlichen Illustrationen bezaubern kleine und große Leser.

Buch-Infos:

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse
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Herausgegeben von Heike Nieder
Illustriert von Katharina Staar

Erschienen im Anaconda Verlag
gebundenes Buch, 128 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 5 Jahren
ISBN: 978-3730607152
Preis: 7,95 Euro

Eine Giraffe im Haus

Giraffe im Haus
„Eine Giraffe im Haus“, J.P. Bachem Verlag, Foto: Daniela Krause

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Es gibt Bücher, bei denen hat man die ganze Zeit während des Lesens ein Grinsen im Gesicht. So erging es uns mit „Eine Giraffe im Haus“, eine herrlich schräge Geschichte, auf die man erstmal kommen muss. 

Das Buch im quadratischen Format ist in der Ich-Perspektive geschrieben. Ein Mädchen erzählt und spricht den Leser dabei direkt an. „Rate mal, was ich auf dem Jahrmarkt gewonnen habe! … Eine Giraffe!“, so der Einstieg in diese turbulente und vergnügliche Suche nach einem geeigneten Ort, an dem man diese Giraffe unterbringen kann. Eines ist ja klar: Mama und Papa werden von dem neuen Familienzuwachs nicht gerade begeistert sein. Zwar ist sie niedlich, aber eben auch verdammt groß und noch dazu extrem tollpatschig!

Fieberhaft überlegt die Kleine also, wo sie die Giraffe am besten verstecken sollte: Sie könnte zum Beispiel in den Schornstein passen, gäbe bestimmt eine tolle Rutsche ab, oder man könnte sie als Stehlampe im Wohnzimmer tarnen. Alles nicht so optimal, findet sie. Und die Badewanne ist vielleicht auch nicht die beste Idee… Sie kommt auf die verrücktesten Einfälle (die ich hier aber nicht alle verraten möchte), doch keiner scheint ihr für die Giraffe angemessen.

Schließlich muss sich das Mädchen eingestehen, dass bei so einem großen Haustier einfach kein Platz für alle anderen bleibt. Bliebe noch die letzte Idee: der Wald! Und hier muss sich die Giraffe, die inzwischen auch einen passenden Namen bekommen hat, tatsächlich nie wieder verstecken – es sei denn, sie hat Spaß daran. 

Die detailverliebten Zeichnungen anzusehen, ist das reinste Vergnügen. Immer wieder stößt man dabei auf überraschende Kleinigkeiten. Besonders gut hat uns gefallen, dass das Buch zwar erzählenden Text hat, die Geschichte aber insbesondere mit den humorvollen Illustrationen transportiert wird. Perfekt also zum Vorlesen und auch, um sie später selbst zu entdecken.

Unser Fazit:

Wir haben uns kringelig gelacht! Ganz hoher Spaßfaktor!

Klappentext:

Was machst du, wenn du auf dem Jahrmarkt eine Giraffe gewinnst? Verstecken! Doch das ist gar nicht so einfach, denn das große, tollpatschige Haustier passt nirgends hinein – nicht in den Kofferraum und erst recht nicht in die Hundehütte. Und im Haushalt ist die Giraffe auch keine große Hilfe. Also, was nun?

Buch-Infos:

Eine Giraffe im Haus
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Text: Michelle Robinson
Illustration: Claire Powell

Erschienen im J.P. Bachem Verlag
gebundenes Buch, 32 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 3 Jahren
ISBN: 978-3761633267
Preis: 14,95 Euro

Ein schreckliches Vieh!

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„Ein schreckliches Vieh!“, BoD, Johanna Sievers, Fotos: Daniela Krause

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Hast du dich eigentlich schon mal gefragt, warum es in Kinderzimmern oft so chaotisch ist? Diesem Mysterium ist die zweifache Jungs-Mama und Autorin Johanna Sievers mit ihrem monströsen Bilderbuchprojekt auf den Grund gegangen.

Nachdem wir ihr Büchlein gelesen haben, liegt die Antwort auf der Hand. Ganz klar: In unseren Kinderzimmern wohnt ein schreckliches Vieh! Wer sonst kann für solch eine extreme Unordnung verantwortlich sein? Die Lütte und der Große haben doch gerade erst mehr oder weniger frei- und widerwillig alles in Kisten verstaut, so dass man sich im Zimmer gefahrlos bewegen kann. Warum sieht es wenig später dann schon wieder so aus, als hätten die Kuscheltiere mit den Legofiguren eine rauschende Party gefeiert?! Mit Konfetti, versteht sich!

Es ist so offensichtlich: Nachts, wenn die Kinder schlummern, kommt das schreckliche Vieh aus seinem Versteck und stürzt das frisch aufgeräumte Zimmer ins Chaos: Da werden Spielsachen aus den Regalen gerupft und wahllos auf dem Boden verteilt, Wände mit Farbe beschmiert und Stofftiere entführt. So kann das nicht weitergehen, findet der anonyme Ich-Erzähler und beschließt, dem Vieh eine Falle zu stellen. Ein Puzzle mit tausend Teilen soll als Köder dienen. Da hat es eine Menge zu tun, um das Puzzle auseinanderzupflücken. „Zack!“, schnappt die Falle zu, und das Vieh ist gefangen. Die Unordnung kann man ihm bestimmt ganz einfach abgewöhnen – mit ein bisschen Erziehung.

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So könnte das schreckliche Vieh aussehen… 

Doch als das schreckliche Vieh in der Falle sitzt, ist es so traurig, unglücklich und unkooperativ, dass der Erzähler Mitleid bekommt und die Falle wieder öffnet. Aus dem schrecklichen wird plötzlich ein fantastisches Vieh. Und auf einmal ist die Unordnung auch gar nicht mehr so schlimm. Es macht einfach zu viel Spaß, gemeinsam Kissen durch die Gegend zu pfeffern und fröhlich herumzutoben. Ach, Mama, die paar Spielsachen auf dem Boden…

Beim Thema Unordnung und Aufräumen dürfte sich so ziemlich jedes Kind angesprochen, vielleicht auch ein bisschen ertappt fühlen. Auf jeden Fall ist es ein klassisches Alltagsszenario, das Eltern nur zu gut kennen dürften. Besonders gut gefallen hat uns an dem in leicht zu verstehenden Reimen geschriebenen Büchlein die originelle Art der Bebilderung. Hier haben Kinder der Diakonissen Kindertagesstätte Rulandstraße in Speyer mit Ölkreiden, Wasserfarben, Papier, Schere, Klebestiften und ganz viel Fantasie kleine Kinderzimmer-Kunstwerke erschaffen und Gefühle mit verschiedenfarbigen Hintergründen zum Ausdruck gebracht. Die Erwachsenen haben die Kinder einfach machen lassen…

Das Bilderbuchprojekt ist eine schöne Anregung für Eltern, Erzieher und Kinder, um das Thema Unordnung humorvoll anzugehen und gemeinsam kreativ zu werden. Dafür hat Johanna Sievers auf den letzten Seiten extra ein bisschen Platz gelassen.

Wie sieht wohl das schreckliche Vieh in deinem Kinderzimmer aus? Und ist es wirklich so schrecklich oder vielleicht doch fantastisch?

Unser Fazit:

Unordnung kann Spaß machen, und Monster sind gar nicht so Furcht einflößend wie gedacht. Dieses fantasievolle Bilderbuchprojekt beweist es.

Klappentext:

„Ist ja gut, schon klar, das glaubst du mir nie, aber im Kinderzimmer haust ein schreckliches Vieh!“ Wenn im Kinderzimmer ein schreckliches Vieh nächtens immer wieder für kolossale Unordnung sorgt, muss man sich schon etwas einfallen lassen. Aber was? Wie kommt man ihm bei, diesem bauklötzeschmeißenden, wändebekritzelnden, bücherrausreißenden Gesell? Und selbst wenn man es schaffen sollte dem Vieh das Handwerk zu legen – was dann?

Buch-Infos:

Ein schreckliches Vieh
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Text: Johanna Sievers
Illustrationen: Arne, Otto, Anique, Leon, Clara,
Frederik, Hamsa, Emma-Lotte, Magdalena, Nele
Erschienen bei Books on Demand
Taschenbuch, 24 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 3 Jahren
ISBN: 978-3749410484
Preis: 11,99 Euro

Der Dachs hat heute schlechte Laune!

Dachs
„Der Dachs hat heute schlechte Laune!“, Nord Süd Verlag, Foto: Daniela Krause

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Der Dachs krabbelt morgens aus den Federn und hat schon eine ganz miese Laune. Zuerst denkt er, dass er so besser nicht das Haus verlassen sollte, besinnt sich dann jedoch wieder anders und stapft unter lautem Getöse aus seinem Bau. Auf seinem Weg begegnet er verschiedenen Waldbewohnern. Ungehobelt wie er sich benimmt, hat er es schon bald geschafft, alle Tiere mit seiner schlechten Laune anzustecken. Die Stimmung des Dachses hingegen hellt sich immer weiter auf.

Als er am Nachmittag einen Spaziergang macht, wundert er sich: Warum ist der Wald nur so leer? Wo sind denn alle hin? Als er den Waschbären fragen möchte, knallt ihm dieser eine unfreundliche Antwort an den Kopf. Und auch die anderen Tiere, die er trifft, sind nicht gut auf den Dachs zu sprechen. Niedergeschlagen macht er sich auf den Heimweg und denkt darüber nach, was er mit seinem Verhalten angerichtet hat.

Die Amsel kommt vorbeigeflattert und gemeinsam schmieden sie einen Plan: Der Dachs lädt mit ihrer Hilfe alle Tiere zu einem „Fest für schlecht gelaunte Tiere“ ein. In seiner Rede entschuldigt sich der Dachs für sein schlechtes Benehmen. Als Höhepunkt des Festes soll das Tier mit der schlechtesten Laune gefunden werden. Doch bei den Aufgaben, die der Dachs den Tieren stellt (etwa „wer am bösesten Gucken kann) werden die muffeligen Tiere schon bald wieder fröhlich. Und ausgerechnet der Dachs hat auf einmal die beste Laune von allen.

Unsere Emotionen und der Umgang mit ihnen sind das Schlüsselthema dieses von Amélie Jackowski wundervoll illustrierten Bilderbuches. Mit der Geschichte vom grantigen Dachs vermittelt uns Autor Moritz Petz: Mal schlechte Laune zu haben ist völlig normal und in Ordnung. Doch es nützt niemandem, wenn man diese an anderen auslässt oder sie gar auf andere überträgt.

Worte lösen beim Gegenüber immer eine Reaktion aus. Böse Worte können verunsichern, kränken und verletzen. Sie bewirken meist neben einer entsprechenden Gegenreaktion, dass sich der Andere zurückzieht und eine Kommunikation, die das Problem lösen könnte, nicht mehr stattfindet. Zumindest so lange nicht, bis einer von beiden wieder auf den anderen zugeht.

Die Amsel agiert in der Geschichte als Vermittler zwischen den beiden Parteien. Mit ihrer Hilfe überlegt der Dachs, was er tun kann, damit die anderen Tiere ihm verzeihen. Und seine kreative Idee, das „Schlechte-Laune-Fest“ kommt bei den anderen Waldbewohnern sehr gut an. So gut, dass am Ende wieder alles gut ist.

Wir hatten übrigens einen großen Spaß daran, den Wettstreit des „Schlechte-Laune-Festes“ selber nachzuspielen: Böse gucken, grummelig grüßen und gefährlich fauchen!

Unser Fazit:

Gefühle und der Umgang mit ihnen werden in diesem Bilderbuch liebevoll thematisiert. Gleichzeitig lädt die lebendig erzählte Geschichte dazu ein, gemeinsam zu überlegen, was man tun kann, damit die Gewitterwolke über dem Kopf schnell wieder verschwindet. Es ist eines unserer Lieblingsbücher geworden.

Klappentext:

Der Dachs hat furchtbar schlechte Laune. Alle Tiere, die ihm begegnen, knurrt er an. Das tut ihm gut und so hellt sich seine Stimmung auf. Aber nanu – mit einem Mal sind alle böse auf den Dachs. Da hat der Dachs einen rettenden Einfall…

Buch-Infos:

Der Dachs hat heute schlechte Laune!
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Text: Moritz Petz
Illustration: Amélie Jackowski
Nord Süd Verlag
gebundenes Buch, 32 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 3 Jahren 
ISBN: 978-3314101762
Preis: 9 Euro

Die kleine Omi

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„Die kleine Omi“, Jonna Struwe, Beatrice Confuss, Fotos: Daniela Krause

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Wenn meine Oma mir „von früher“ erzählt hat, hing ich förmlich an ihren Lippen, weil ich die Geschichten aus der alten Zeit so spannend fand. Genauso ergeht es Lena und Max, wenn die kleine Omi sich an längst Vergangenes erinnert. Dabei ist sie gar nicht ihre richtige Oma. Die beiden Kinder nennen sie nur liebevoll „kleine Omi“, weil ihre freundliche, betagte Nachbarin so klein ist, dass sie gerade mal über ihr Autodach gucken kann. Sie ist eine hervorragende Zuhörerin. Sie erzählt Geschichten, die andere „Vertreter“ ihrer Generation vielleicht eher für sich behalten würden. Und manchmal passt sie auf Max und Lena auf, weil deren Großeltern viel zu weit weg wohnen, um mal eben kurz vorbeizukommen.

Mit „Die kleine Omi“ gibt Jonna Struwe ihr gelungenes Debüt als Kinderbuchautorin und erzählt in sechs Kapiteln lebendig und warmherzig von der Kindheit – heute und damals. So erfahren die Kinder zum Beispiel, dass Mädchen früher keine Hosen tragen durften, dass katholische und evangelische Kinder in der Schule strikt getrennt wurden, dass fluchende Kinder zum Pfarrer geschickt wurden, dass der Namenstag früher eine viel größere Bedeutung hatte als der Geburtstag heute – und sie kommen hinter das Geheimnis, warum die kleine Omi nie richtig Fahrradfahren gelernt hat.

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Unser Lieblingsbild.

Dem Großen (5) hat das Buch sehr gut gefallen. Mal musste er lachen, mal nachfragen und einmal bekam er tatsächlich rote Ohren, bei den lustigen, interessanten und frechen Geschichten der kleinen Omi. Hervorheben möchte ich neben dem sehr originellen Cover die Gestaltung, beziehungsweise die Illustrationen von Beatrice Confuss auf den Innenseiten. Sie machen den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sehr gut erlebbar, denn die Geschichten von früher werden mit ganzseitigen bunten Bildern untermalt, während alle Geschehnisse im „Jetzt“ in Schwarz-Weiß gehalten sind – also genau umgekehrt als erwartet. So wird die Historie zum einen in den Bildern lebendig, zum anderen in den unterhaltsamen Erzählungen der kleinen Omi, die die unterschiedlichen Personen direkt zu Wort kommen lässt.

Unser Fazit:

Dieses Vorlesebuch schlägt einen Bogen zwischen Kindheit früher und heute und ist dabei locker und unterhaltsam zu lesen. Es macht Lust darauf, den eigenen Großeltern Löcher in den Bauch zu fragen.

Klappentext:

Die kleine Omi ist wirklich klein. So klein, dass sie kaum über ihr Autodach linsen kann. Aber dass sie auch mal so klein war wie Max und Lena, ein Kindergarten- oder Schulkind, das können sich die beiden nicht vorstellen. Gebannt hören sie deshalb zu, wenn die kleine Omi Geschichten erzählt, Geschichten, die sie erlebt hat, als sie ein Kind war. Warum sie zum Beispiel in der Schule nicht durch die gleiche Tür gehen durfte wie die evangelischen Kinder und am Ende ihres ersten Schultages im Fahnenmast stecken blieb; oder warum sie heimlich Fahrrad fahren lernen wollte und dabei fast baden ging; oder warum der Garten für sie Vorratskammer, Spielzimmer und Klo in einem war. Und was das alles mit Lenas Sammelbildchen vom Supermarkt, Max Fußballspielen und Mamas Geburtstag zu tun hat, das erzählt die kleine Omi auch.

Buch-Infos:

Die kleine Omi
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Text: Jonna Struwe
Illustration: Beatrice Confuss
https://die-kleine-omi.de/
Books on Demand
gebundenes Buch mit Lesebändchen, 60 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 5 Jahren
ISBN: 978-3748110255
Preis: 14,99 Euro

Vom Hut, der nicht zaubern wollte

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„Vom Hut, der nicht zaubern wollte“, Thienemann Verlag, Foto: Daniela Krause

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Johanna sitzt gerade am Schreibtisch und malt – da kommt ihr Vater mit einer „Überraschung“ um die Ecke. Etwas enttäuscht ist das kleine Mädchen schon, als sich die Überraschung als „oller Hut“ vom Sachensammler entpuppt. Doch ihr Papa sagt, der Hut habe einmal einem echten Zauberer gehört. Das klingt schon besser!

Johanna fragt sich, wie sie wohl einen Hasen aus dem Zylinder zaubern kann. Doch das Zauberwort dafür, meint Papa, müsse sie schon selbst herausfinden. Also macht sich Johanna auf die Suche danach und fragt ihre Mama, ihren großen Bruder Alexander, die Nachbarin, die Menschen auf der Straße… Einige machen den Spaß mit und überlegen sich einen Spruch, andere sagen Worte wie „Mumpitz!“, „Firlefanz!“ und „Humbug!“, die Johanna auch für Zaubersprüche hält. (Mehr Sprüche möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.) Aber so richtig überzeugend ist keiner von ihnen. 

Ratlos starrt sie auf den Hut, setzt ihn auf den Kopf – und befindet sich plötzlich in einer großen Manege. Sie schlüpft selbst in die Rolle der Zauberin. Als sie sich nach ihrer Vorstellung vor dem begeisterten Publikum verbeugt, fällt ihr der Hut vom Kopf, und ein weißer Hase hoppelt heraus.

Auf einmal ist sie wieder in ihrem Zimmer. Die Tür geht auf – und dort steht Papa, der verblüfft auf seine Tochter blickt, die einen Hasen im Arm hält.

Wir hatten an diesem Buch großen Spaß. Die vermeintlichen Zaubersprüche der Erwachsenen sorgten für Belustigung – sowohl bei den Kindern als auch bei mir. Die Geschichte ist humorvoll geschrieben und enthält viele Dialoge, die zum lebendigen Vorlesen in unterschiedlichen Stimmen einladen. Inhaltlich sehr gut gefallen hat uns, dass Johanna tatsächlich ganz allein mit ihrer kindlichen Fantasie das Geheimnis um den Zauberhut lüften kann. Sehr schön sind die vielen Details, welche die Kinder auf den Doppelseiten entdecken können.

Unser Fazit:

Ein zauberhaftes Vorlesevergnügen, das die kindliche Fantasie beflügelt und uns Erwachsene schon ein wenig alt aussehen lässt.

Klappentext:

Der geheimnisvolle alte Zylinder, den Papa mitgebracht hat, ist ein echter Zauberhut! Das behauptet jedenfalls Papa. Ob man damit auch einen weißen Hasen herbeizaubern kann? Johanna will es unbedingt herausfinden. Doch dazu braucht sie das richtige Zauberwort. Aber wen sie auch fragt, keiner weiß, wie es lautet. Nicht mal Ralf, der zu Hause einen Zauberkasten hat und sich auskennt. Aber dann, als Johanna schon aufgeben will, passiert etwas ganz Unglaubliches…

Buch-Infos:

Vom Hut, der nicht zaubern wollte
Text: Susan Niessen

Illustration: Antje Drescher
Thienemann Verlag
gebundenes Buch, 32 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 4 Jahren 
ISBN: 978-3522458085
Preis: 11,90 Euro

Die kleine Elster Elsa – „Aber ich bin doch ein Krokodil!“

Elster Elsa
Die kleine Elster Elsa – „Aber ich bin doch ein Krokodil!“, Edition Trunk, Fotos: Daniela Krause

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Elstern lieben alles was funkelt – da ist es kein Wunder, dass die kleine Elster Elsa es sich besonders gern an ihrem „Schatzsee“ gemütlich macht, wo die Sonnenstrahlen auf der Wasseroberfläche glitzern. Dort träumt sie sich weit fort, nach Afrika an den Nil. Denn eigentlich wäre Elsa viel lieber ein großes starkes Krokodil als eine kleine Elster.

Sie begegnet einem Flusspferd, das von einer Schar Mücken umschwirrt wird. Als Elsa sich voller Überzeugung als Riesenkrokodil vorstellt, prustet das Nilpferd vor Lachen los. Behutsam erklärt es Elsa dann, dass sie ein kleiner Vogel ist, beschreibt ihr aber auch, welche unbezahlbaren Vorteile damit verbunden sind.

Elsa merkt nach und nach, welche Vorzüge ihr Elster-Dasein hat und lernt sich selbst anzunehmen – so wie sie ist. Und genau so hat sie auch ihr Freund Viktor am liebsten, der ihre Tagträume mit einer kleinen Abkühlung beendet. Gemeinsam schwingen sie sich hoch in die Lüfte und genießen den Wind unter ihren Flügeln. Eine Erfahrung, die einem Riesenkrokodil wohl immer verwehrt bleiben wird.

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(c) Edition Trunk

Die Geschichte „“Die kleine Elster Elsa – “Aber ich bin doch ein Krokodil!“ von Hanna Trunk setzt sich mit den Themen Selbstliebe, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen auseinander. Etwas, das Kinder sehr beschäftigt, vor allem, wenn sie dazu neigen, sich häufig mit anderen zu vergleichen und an sich selbst zu zweifeln. Elsa lernt, dass sie viel mehr kann, als sie sich zutraut. Und dass groß und stark zu sein gar nicht so wichtig ist.

Die humorvollen Illustrationen von Marion Schickert betonen wunderbar die Mimik und Gestik der Protagonisten. Gefühle werden gelungen transportiert. Die Emotionen des Flusspferdes werden darüber hinaus von der Mückenschar perfekt imitiert, was meine Kinder besonders witzig fanden.

Angemerkt sei an dieser Stelle noch, dass Hanna Trunk, selbst zweifache Mama, das Buch komplett in Eigenregie herausgebracht hat – „eine tolle Herausforderung, die viel Spaß gemacht und mich so einiges gelehrt hat“ so ihr Fazit.

Unser Fazit:

Du bist großartig, so wie du bist! Das ist die wichtige und Mut machende Botschaft dieses herzigen Kinderbuchs.

Klappentext:

Eine kleine Elster, wunderschön und charakterlich normalerweise eher frech und dreist. Aber Elsa wäre gerne größer und stärker! Wieso denkt Elsa plötzlich, sie sei ein Krokodil? Was macht sie überhaupt in Afrika? Und was hat das alles mit einem großen dicken Nilpferd zu tun?

Eine Geschichte über Selbstvertrauen, eigene Stärke und Freundschaft. Herrlich amüsant illustriert! Für alle Kleinen und Großen, die noch ihr eigenes „großes starkes ICH“ entdecken müssen.

Buch-Infos:

Die kleine Elster Elsa – „Aber ich bin doch ein Krokodil!“
Du kannst das Buch über diesen Link bei genialokal bestellen und damit den lokalen Buchhandel unterstützen. Kaufst du das Buch über den Affiliate Link, erhalte ich eine kleine Provision. Meine Buchtipps sind jedoch frei von Einflussnahme durch Affiliate Partner.

Text: Hanna Trunk
Illustration: Marion Schickert
Edition Trunk
gebunden, 32 Seiten
Empfohlenes Lesealter: ab 3 Jahren
ISBN: 978-3961117130
Preis: 14,95 Euro